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c4os
Goethe war zeitweise Finanzminister am Hof von Weimar. Wie intensiv hat er sich mit ökonomischer Theorie beschäftigt?

Wagenknecht: Er hat Adam Smith und andere Ökonomen gelesen. Vor allem hat er die Entwicklungen in England verfolgt. Natürlich waren die aufkommenden Industriestädte für ihn ein Horror, da gab es überhaupt keine Kultur. Manchester hatte kein Theater, kein Bildungsbürgertum, das war ein Abgrund an Kulturlosigkeit.

Die französischen Frühsozialisten, die er auch las, überzeugten ihn allerdings auch nicht.

Wagenknecht: Er hielt die Vorstellung der Saint-Simonisten für unrealistisch, dass man jegliche Form von Eigentum aufheben sollte. Er sah – natürlich berechtigterweise –, dass dann wirtschaftliche Anreize fehlen.

Haben wir überhaupt noch den gleichen Kapitalismusbegriff wie Goethe? Er erlebte Laisser-faire, mittlerweile haben wir 200 Jahre sozialpolitische Errungenschaften hinter uns.

Wagenknecht: Das gilt zum einen nicht global: Die heutigen Fabriken in Bangladesch sind nicht besser als die seinerzeit in Manchester, sie sind nur weiter weg von uns. Zum anderen haben wir nach wie vor ein Wirtschaftssystem, das nach ähnlichen Mechanismen funktioniert wie damals – der Antrieb ist der Profit, damit verbunden ständiger Wachstums- und Expansionsdrang. Alle gesetzlichen Möglichkeiten zum Lohndumping werden ausgenutzt, das haben wir ja erlebt, seit die Agenda 2010 die legalen Möglichkeiten, reguläre durch prekäre Jobs zu ersetzen, enorm erweitert hat.
„Draghi ist der moderne Mephisto“
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